Fantastische Geschichten von unterwegs

Auf der Flucht

flug

„Wir verlegen nach Hamburg, Sie kommen mit uns, um unterzutauchen. Zu Ihrer Tarnung werden Sie sich in Hamburg mit ‚Kalle‘ treffen. Er ist Kontaktmann zu den Lobatchevskis. Dort werden Sie für Kalle einen Auftrag übernehmen.“

… und dann ging alles ganz schnell. Wir fahren nach Kassel und werden in einer Frachtmaschine mitsamt unserem Auto und nur mit dem, was wir bei uns tragen, eingeladen und starten. Nach einer aufwendigen Vorbereitung und einer anstrengenden Nacht gleiten wir in den frühen Morgenstunden durch die Luft. Im Osten würden sich langsam die ersten Sonnenstrahlen zeigen, wenn sie nicht von dem sich im allgegenwärtigen Smog reflektierenden Lichtermeer unter uns überdeckt würden. Ich atme schwer vor mich hin, jeder Luftzug endet unweigerlich in einem stechenden Schmerz und einem sachten Knirschen in meinem Brustkorb. Doch im Gegensatz zu dem unheimlichen Kreischen und Brennen in meinem Kopf wirkt das beinahe entspannend. Es fällt mir zunehmend schwer die Augen offen zu halten, doch davon zu schlafen bin ich weit entfernt. Floki und Tolstoy ziehen eine kurze Ruhepause der Aussicht oberhalb der norddeutschen Tiefebene vor. Beide sitzen zusammengesackt nebeneinander, während der Oger leise vor sich hin schnarcht.

Nur Xun sitzt angespannt in seinem Sitz, erhöht den Muskeltonus, lässt wieder nach, spannt wieder an und lässt wieder nach. Er blickt völlig fassungslos auf seine Hände, während seine Gedanken rasen. Die Stimme seines Ziehvaters, brennende Mädchen, die Berührung des Wesens und das merkwürdige Gefühl, nicht mehr über Gliedmaßen zu verfügen und plötzlich unter Wasser zu atmen, wechseln sich immerzu ab. Nur ein dumpfer Stoß in die Seite kann ihn aus seinen Gedanken reißen. Er dreht sich zur Seite und blickt dem Molch in die Augen. Schlagartig beruhigt sich sein Puls und das dumpfe Gefühl von Erschöpfung schafft es kurzzeitig überhand zu nehmen. Die völlige Ohnmacht lässt ihn einfach nicht seine Verwirrung in Worte zu fassen. In seinen Gedanken hört er neben sich eine Stimme, die versucht alles zu erklären. Ein formloser Draco im bedrohlichen Griff zweier konkurrierender Großkonzerne, daneben die Aussicht auf Schutz. Sein Schicksal, wenn er beim Falschen landet, kann er sich kaum ausmalen, sein Verstand sperrt sich diesem Grauen vehement. Wenn jemand auf der Suche nach einer einzigen Person eine gesamte Kleinstadt in Schutt und Asche legt, ohne Skrupel Kollateralschäden nicht nur billigt, sondern sogar in Kauf nimmt, versucht man einer Kooperation wohl eher aus dem Weg zu gehen. Bei dem Versuch die Ereignisse, die ihn in dieses Flugzeug gebracht haben, Revue passieren zu lassen, wird im langsam klar, dass alles so kommen musste wie es kam. Nicht weil es Schicksal wäre, sondern einfach nur aufgrund des unvorstellbaren Einflusses einiger weniger Parteien, die ein Netz um ihn herum weben, auf das selbst die drei Hexen am Fuße des Baumes stolz sein könnten.

„Hexen, am Fuße des Baumes?! Und warum zur Hölle sprach dieser komische kleine Typ von Niddhöggr?!“ Völlig erschrocken und schweißnass wacht Xun plötzlich wieder auf, ohne überhaupt bemerkt zu haben, dass er eingeschlafen sei. Gerade in dem Moment als das Flugzeug auf der Landebahn aufsetzt. Wie in Trance folgt er Athan, während der Rest der Gruppe in die andere Richtung gelotst wird. In Gedanken flucht Xun immer noch über seine Situation und vor allem über dieses elende Gefühl, dass alle mehr über ihn zu wissen scheinen als er selbst.

„Du willst mehr wissen? Komm mit, wir gehen auf Geisterjagd!“

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