Fantastische Geschichten von unterwegs

A little less conversation…

karne-was

Eines Abends sitzt Zillah alleine in der Feuerwache. Der Umzug ist gerade erfolgreich bewältigt, aber es ist doch noch eher eine Ansammlung von Kisten und Baustellen als ein Hauptquartier. Krabat ist bei seinen Schwestern und Peer „erledigt einige wichtige Dinge“… Während sie gerade ihre diversen Utensilien – diverse Steine mit eingeritzten Zeichen, einige Pergamentstücke mit längeren Textpassagen, diverse Anhänger aus unterschiedlichen Metallen – in ihrem Zimmer anbringt, findet sie in der Kiste ganz unten ihre einzigen Andenken an „früher“, ein Notizbuch und einen Klumpen Lehm, in dem die Kontur eines Auges zu erkennen ist. Sie hält den Klumpen fest in ihren Händen, schließt die Augen und wartet eine Weile bis sich ein warmer Feuerschein um sie herum bildet. Ein Arm legt sich auf ihre Schulter während Zillah beginnt in ihrem Buch den letzten Eintrag zu lesen:

Seit einigen Wochen bin ich nun in Köln, sogar schon zwei Monate sind es. Die Reise war kompliziert, vor allem nicht irgendwo doch aufzufliegen. An eine Flugreise ist ohne gut gemachte SIN nicht zu denken gewesen, doch ich wurde sicherlich beobachtet. Zu Fuß überquerte ich die ersten Grenze nach Syrien, wo mir ein Kontakt die Weiterreise für 10.000 ermöglichen sollte, meine gesamten Ersparnisse. Letztendlich landete ich bei einem Cousin 3. Grades in Köln: bei Khaled in seinem Marrakesh Market. Auch wenn er mich für jemand aus dem palestinensischen Untergrund hält, verstehen wir uns schnell wirklich gut. Schnell kann er mir einige Jobs verschaffen… und so auch neue Bekannte… Peer, offenbar ein ehemaliger Kameramann, und Krabat, ein Kölner Schnüffler. Nur von einer Zweckgemeinschaft würde ich nicht reden. Wir sind ein gutes Team, denke ich. Die Gründung der gemeinsamen Detektei ist auf jeden Fall die perfekte Möglichkeit hier Fuß zu fassen… und nach IHM zu suchen…

„Das ging dann wohl schneller als gedacht“ murmelt Zillah. Die Flammen um sie herum lodern leicht auf. „Ach Adam, sei nicht böse, er kann wohl am wenigsten dafür. Immerhin hat er uns den Arsch gerettet.“

Der letzte Job ist gerade ein paar Tage her; die einzige Aufnahme einer legendären Rocksession aus den 40ern finden und abliefern. Aus der schlichten und einfachen Anweisung wurde eine Reise der besonderen Art. Durch beinahe alle sozialen Brennpunkte, die aktuelle und vergangene Musikszene und das Kölner Hackermilieu…

„Weißt Du, wir waren auf dem Weg aus Chorweiler heraus, haben gerade einen weiteren Heini am Telefon abgewimmelt. Auch wenn es mir wirklich unter den Nägeln gebrannt hätte diesen Typen zu treffen. Er sagte was von privatem Interesse, wahrscheinlich war es noch Jet Black höchstpersönlich. Nachdem wir schon diese Delphia – eine so krasse Frau habe ich selten gesehen – gefunden hatten. Plötzlich türmen sich riesige schwarze Vans und Limousinen vor uns. Eine Kackbratze mit französischem Akzent stellt sich uns als Arschlecker von Knight Errant vor. Ich nehme die Daten an mich und mache mich zur unauffälligen Flucht bereit, während dieser Honk sich darüber beschwert, dass wir sein Anfängerteam vorgestern aufgemischt haben. Naja, anscheinend hielten sie es für nötig uns dafür mit ca. drei Dutzend Gewehrläufen und noch härteren Geschützen ins Visier zu nehmen.“

Die Flammen bewegen sich aufgeregt hin und her. Ein leichtes Dröhnen ist zu hören, während Zillah weiter spricht.

„Ja, sag ich doch, der hatte echt eine Chuzpe… und wir wirklich unverschämtes Glück. Da springt der von einem Hausdach runter und mischt den kompletten Laden einfach mal mit links auf. Alleine war er definitiv nicht, dazu waren zu viele Scharfschützengewehre um uns herum. Und dann latscht der noch zu uns, sagt ‚Hallo, ach übrigens ich bin Michael Zelazny und so…‘. Weißt Du? Mich hat’s echt aus den Socken gehauen… und wie ein Grillhähnchen vom Autodach runter. Aber mein Blick war wohl noch besser. Die Wunde am Bauch ist einwandfrei abgeheilt, aber so eine Aura erkenne ich unter tausenden wieder. Er war es, steht einfach da, freut sich über das Hackfleisch um sich herum… Auch die Implantate sind wohl nicht unbedingt Standardware gewesen. Das ist definitiv ein echt krasser Typ… und demnächst meldet er sich hoffentlich.“

Die Flammen wabern noch immer aufgeregt im Zimmer herum. Während sie berichtet würde man an einigen Stellen hektisches Zucken sehen. Zillah sieht es, sonst niemand… Sie versinkt in Gedanken, bis es plötzlich an ihrer Tür klopft. Im selben Moment sind die Flammen um sie herum verschwunden.

„Herein?!“ Die Tür öffnet sich und eine dunkle Tolle an einem Kopf schiebt sich durch den Spalt…
„Ach Krabat, Du bist wieder hier. Wollen wir was essen?“
„Ja klar, ich habe einen mords Hunger. Aber sag mal, bei Dir ist es vielleicht heiß. Hast Du nicht doch heimlich ein Schwein gegrillt?“
„Aber Bubele, ich doch nicht“… grinst sie bis über beide Ohren während sie das Zimmer verlässt.

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